Kurztour Südtirol
Südtirol - immer wieder schön!

Nein, das ist nicht die dreitausendvierhundertundsechzehnte Beschreibung der Südtiroler
Alpenpässe. Obwohl - eigentlich sind diese es ja wert, mehr als einmal gefahren zu werden.

Ostösterreicher sind ja in Sachen Südtirol den Westösterreichern und den Bayern krass unterlegen, wenn man alleine die Entfernung von Wien nach Lienz ins Kalkül zieht: rund 400 km. Und erst dann beginnt der „Einstieg" ins Südtirolerische. Daher machen wir einfach das Beste daraus und genießen eine Übernachtung in Stall im Mölltal, im Landgasthof Dorfschenke (Stall 20, Stall im Mölltal). Wer dort nicht die Fleischnudeln mit Sauerkraut der Renate (die Wirtin) probiert hat, weiß nicht, welche guten Sachen es in Österreich gibt. Übrigens gibt's ja für die Vegetarier unter uns auch Erdäpfelnudeln - halt mit einer Erdäpfelfüllung.
Die Zimmer sind zwar nicht hochmodern eingerichtet, aber sehr ruhig und sauber - und vor allem ist dieses Quartier auch als Stützpunkt für eine Glocknerfahrt ideal, der ja schnell aus dem Mölltal erreichbar ist.
Wien - Stall im Mölltall
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Am zweiten Tag, nach einem kräftigen Frühstück, geht's dann los - nur 30 km sind es nach Lienz und schon sind die ersten Kehren bezwungen. So ein bisschen zum Einfahren gibt's den Iselsberg, der dann bei der Bergabfahrt den ersten Blick auf die Dolomiten ermöglicht. Nachdem wir ja schon des öfteren den Weg über Sillian gewählt haben, wollen wir diesmal den Staller Sattel als Einstieg nach Südtirol benutzen. Wir verlassen Lienz beim Kreisverkehr bei der ersten Ausfahrt Richtung „B108 Felbertauern" und haben die Strecke bis Huben (19 km) rasch zurückgelegt. In Huben biegen wir links in Richtung „Hopfgarten" auf die Landesstraße 25 ab. Der starke Verkehr, der Richtung Felbertauern unterwegs war, ist hinter uns und die Straße ist einfach leer - bis St. Jakob in Defereggen geht's herrlich swingend dahin. Ein wenig aufpassen sollte man doch - weil ja hin und wieder gibt's so etwas wie Geschwindigkeitskontrollen...
Ab Erlsbach beginnt nun der Anstieg auf den Staller Sattel. Durch eine schön ausgebaute Straße erreichen wir nun über 5 Kehren und herrlicher Walddurchfahrt nach 8 km den höchsten Punkt mit 2.042m Seehöhe. Nun heißt es warten... Der Staller Sattel stellt ja ein kleines Kuriosum dar. Auf österreichischer Seite sehr gut ausgebaut, wurde die italienische Seite nie nachgezogen. Hier ist die Straße nur einspurig und daher gibt es genau festgelegte Zeiten, zu denen der Verkehr bergwärts und talwärts fahren darf. Jeweils die erste Viertelstunde nach der vollen Stunde (also zum Beispiel von 9.00 bis 9.15 Uhr) darf talwärts gefahren werden, die Viertelstunde nach der halben Stunde (also z.B. von 9.30 bis 9.45 Uhr) von italienischer Seite bergwärts auf den Staller Sattel.
Ein wichtiger Tipp: einfach ganz nach vorne vor die ganzen Autos fahren - sonst darf man den ganzen Dosen beim Bergabfahren nachschleichen...
Die Abfahrt ist sehr schmal, irgendwelche Absturzsicherungen gibt es nicht - und manchmal kann es auch passieren, dass Radfahrer, die langsamer bergwärts unterwegs sind, einem plötzlich in einer Kehre entgegenkommen. Das gibt dann die überraschten Blicke und schon hin und wieder einen Sprung eines Radfahrers in den Wald. Der Belag ist nahezu perfekt - und nach einer kurzen Fahrstrecke taucht man in den Märchenwald ein...
Nach etwa 5 km bergab erreichen wir den Antholzer See - diamantgrün schimmernd. Leicht bergab geht es weiter im Antholzer Tal - und die Geschwindigkeit kann deutlich gesteigert werden. Nach Mitterolang biegen wir in die SS49 rechts in Richtung Bruneck ab und der Verkehr nimmt ziemlich zu. Allerdings sind die italienischen Autofahrer anscheinend Motorradfahrern gegenüber weitaus toleranter und steigen nicht bei jedem überholenden Motorrad gleich aufs Gas - damit lassen sich Überholmanöver weitaus weniger riskant auch vollenden :-)
Kurz nach Bruneck geht's links weg auf die SS244 und wir fahren nun direkt Richtung Süden, in Richtung Corvara. In Zwischenwasser heißt es aufpassen, damit man nicht versehentlich in Richtung St. Vigil weiterfährt. Dann erreichen wir nach etwa 25 km Corvara - und von hier kann man gleich mehrere Pässe erreichen. Wir entschliessen uns, einen der schönsten Pässe der Sella-Runde mitzunehmen - das Grödner Joch (2.121m). Da es schon deutlich Mittag geworden ist, hat uns natürlich auch der Hunger erwischt *g*. Am Grödner Joch gibt's zum Glück ein gutes Gasthaus, das uns mit diversen italienischen Speisen verwöhnt. Ein Café Latte bildet den Abschluß und wir schwingen uns wieder auf die Radln. Runter geht's den Berg - das Sellajoch ruft schon. Viele Kehren und ein herrlicher Belag erlauben natürlich auch spektakuläre Schräglagen. Bei der Einmündung in die SS 242 halten wir uns links und erreichen nach traumhafter Fahrt das Sella Joch (2.244m) . Bei der Abfahrt öffnet sich dann schon der Blick auf die Marmolata. Während die meisten schon vor Canazei in Richtung Pordoi Joch abbiegen, wollen wir doch lieber im weniger starken Verkehr heute noch den Fedaia Pass (2.057m) erforschen. In Canazei heißt es also, nach links in die SS641 abbiegen, angeschrieben ist "Alba" und der Passo di Fedaia. Die Straße ist anfangs noch sehr unspektakulär, aber allein die Aussicht auf die Marmolata lässt das Tempo geringer ausfallen und wir rollern im Genussmode ruhig dahin. Bei den Kehren überspannt ein Sessellift die Straße - ein nicht gerade alltäglicher Anblick! In den Kehren ist es teilweise schmutzig - also auf pressen ist da wirklich nichts, wär auch sehr schade! Am Pass angekommen, genießen wir die herrliche Aussicht und dürfen auch noch ein Friedenspfeifchen den Berggöttern widmen. Weiter gehts, immer mit der Marmolata rechts, nach Caprile.
Dort beschließen wir, doch noch auch den Passo Giau (2.233m) anzuhängen. Eine wahre Kurvenorgie, diese Verbindung von Süden nach Norden. Zuerst waldig, dann felsig und dann - nahezu oben angekommen - Almcharakter. Es ist zwar empfindlich frisch geworden, aber ein Kaffee in der Schutzhütte geht sich schon aus. Beim Parkplatz stehen die Marktstandler (typisch italienisch) und versuchen ihre Waren an den Mann und die Frau zu bringen - aber zum Glück ist eh kein Platz am Bock, sodass wir den Verlockungen widerstehen können.
Nach dem Kaffee geht's nun hinunter. Die Nordabfahrt ist total unterschiedlich im Charakter. Man ist relativ schnell in Waldhöhe und teilweise geht's sogar recht flach dahin - aber auch flott. Vor Cortina d'Ampezzo suchen wir uns ein Quartier und finden eine sehr nette Privatpension, wo sogar deutsch gesprochen wird. Der Hausherr, selber ein Motorradfahrer, stellt sein Auto aus der Garage und wir dürfen unsere drei Motorräder zum Radel des Hausherren dazustellen. Die Zimmer sind sehr nett und wir hüpfen endlich aus den Klamotten und unter die Dusche. Unser Abendessen können wir in einer nur 10 Gehminuten entfernten Pizzeria einnehmen - und es gibt dort nicht nur Pizzen...
Stall im Mölltall - Nähe Cortina
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Staller Sattel
Grödner Joch
Sella Joch
Fedaia-Pass
Passo Giau
Gestartet wird zeitig am Morgen, fahren wir doch auf den Berg hinauf und wollen die gute Aussicht genießen. Also geht's über den Tre Croci Pass (1.805m), der es natürlich mit den wirklich hohen Pässen nicht aufnehmen kann, in Richtung Misurina. Nur - es müssen ja nicht immer die Hochgebirgsübergänge sein, die schön sind. Der Tre Croci ist sehr angenehm zu fahren - vor allem bei dem strahlenden Wetter, das wir haben. Aber wir wissen ja: wenn Engerl reisen *g*.
Vor dem Misurinasee biegen wir rechts in die Straße nach Auronzo di Cadore. Zuerst vor uns und dann rechts hat man, manchmal nur durch Wald gestört, die Le Marmarole-Gebirgsgruppe, die knapp an 3.000m herankommt. Dazu noch der strahlend blaue Himmel - fast schon kitschig! Bei Auronzo kommen wir zum Lago di San Caterina, in dem sich die Berge widerspiegeln. Noch vor dem Ende des Sees geht links die Abzweigung auf den Passo del Zovo (1.476m). Knapp vor dem Pass, der eher geringeren Spaßfaktor bietet, geht rechts die Straße nach Danta weg. Und nun kommt man aus dem Wald heraus und kann das herrliche Gebirgspanorama bewundern, für das die Worte zur Beschreibung fehlen...
In Danta geht sich in einer kleinen Bar natürlich noch ein kurzer Muntermacher, ein Espresso, aus. Bei San Nicolo di Comelico kreuzen wir die SS52 und folgen dem Wegweiser nach Costalta und weichen so St. Stefano di Cadore und einem Umweg aus - obendrein bewegen wir uns auf einem Südhang - alle Wiesen sind äußerst frisch und grün rundum. Von Autos ist eigentlich eh weit und breit nichts zu sehen - so wie es sich halt gehört :-).
Dann geht's über einige Kehren bergab ins Tal, wo wir knapp vor San Pietro wieder auf die SS355 stoßen. Weiter geht's zur Cimasappada (ein kleinerer Pass ohne großartige Höhepunkte, 1.292m hoch) und von dort beständig, ohne irgendwelche Kehren bergab bis Comeglians. Weiter geht's dann nach links zur doch stärker befahrenen SS465, die uns bis Sutrio bringt. Von hier führt uns der Weg über die Brücke des Flusses But und wir biegen nach links in die SS52 Richtung Norden ab. Nachdem wir ein kurzes Stück gefahren sind (1 ½ km), geht nach rechts die SP24 ab in Richtung Paularo. Die nun folgende kleine Straße im Tal verbindet die kleinen Ortschaften, die dort in kurzer Folge durchfahren werden. In Paularo, einem etwas größeren Dorf, biegen wir links Richtung Norden ab und fahren eine wildromantische Straße bergauf bis Casera Ramaz. Die Straße weiterfahrend, umrunden wir quasi den Monte Zermula, nehmen dabei noch den Passo del Cason di Lanza (1.552m) mit und fahren nur mehr knapp südlich der österreichischen Staatsgrenze. Dann geht's bergab bis zum Kanaltal nach Pontebba. Dort kehren wir auf eine kurze Mittagsrast ein. Hätten wir es nun eilig, könnten wir ja auf die flotte Gangart über Tarvis nach Österreich zurück - wir aber wollen doch die Berge sehen und fahren auf der SP110 in Richtung Nassfeldpass (1.552m). Achtung! Die Straße ist auf der Auffahrt sehr eng und es gibt Kehren in unbeleuchteten Tunnels, wo es auch noch nass auch sein kann - also Vorsicht!
Auf der Nordseite geht es auf einer gut ausgebauten Strecke ins Gailtal. Bei Tröpolach links halten Richtung Jenig! Dort kreuzen wir die B111, die Gailtaler Bundesstraße und fahren weiter in Richtung Guggenberg. So entgehen wir dem Verkehr und haben gleichzeitig noch ein interessantes Sträßchen zum Gleiten gefunden. In Hermagor angekommen, biegen wir gleich links ab in Richtung Kreuzberg auf die B87 (Weissenseer Bundesstraße). Nach Weißbriach "klettern" wir auf den Kreuzbergsattel (1.074m) hinauf und dann sehen wir schon den Weissensee. In Greifenstein erreichen wir die Drautal-Bundesstrasse B100, auf die wir rechts abbiegen. Der Drautal-Bundesstraße folgen wir bis zur Auffahrt auf die Tauernautobahn und nun geht's flott die 15 km bis zur Anschlussstelle Gmünd-Maltatal. Dort fahren wir auf die Bundesstraße 99 Richtung Katschberg bis zur Landesstraße 19 Richtung Kremsbrücke. Nach Kremsbrücke gehen wir wieder auf Quartiersuche und finden in Innerkrems den Gasthof Raufner - direkt am Beginn der Nockalmstraße. Und so kommen wir - neben der obligaten Duschung und Umziehung - zu einem äußerst schmackhaftem Kärntner Essen und führen auf der Terrasse noch einige Benzingespräche, bevor wir uns aufs Ohr werfen...

                                              *

Nach herrlich ruhigem Schlaf - die vielen Kilometer, die Waldluft und die Ruhe tun ihr übriges - wachen wir hungrigauf - wie die kleinen Berberlöwen. Früüüüüüüüühhstück, aber rasch und viel bitte! Nach dem Frühstück sind wir so angegessen, dass wir gar nicht richtig los wollen - aber heute sollen wir doch noch einige Kilometer machen und daher werden die Maschinen schnell bepackt und die 35 km der Nockalmstraße (ATS 90,- Maut, Stand 2001, pro Motorrad) schon um 8.00 Uhr in Angriff genommen. Wieder haben wir Glück mit dem Wetter - kitschig blau, dazu die bunten Blumen und bis 2.000m Höhe - sooo macht Motorradfahren Spaß. Naja, die obligate 70 km/h Beschränkung haben wir einigermaßen eingehalten - nur manchmal fuhren wir siebziger! :-) Immer wieder bleiben wir für einen Fotohalt stehen - so benötigen wir für die 35 km inklusive Kaffeepause nahezu 2 Stunden... Am Ende der Nockalmstraße biegen wir in die Turracher Bundesstraße B95 Richtung zur Turrach ab und fahren flott und mit wenig Verkehr auf die Turracherhöhe (1.783m). Bei Predlitz rechts in die in die Murauer Bundesstraße B97 bis Murau. Dort links ins Sölktal, eine wirkliche landschaftliche Schönheit, und wir können nur im Interesse aller Motorradfahrer empfehlen, die Geschwindigkeitsbeschränkungen einzuhalten! Die Gefahr einer Streckensperrung für Motorradler - egal wie man dazu steht - ist gegeben. Im Zuge dieser Straße fahren wir natürlich auch den Sölkpaß (1.788m) und erreichen Stein an der Enns, wo wir rechts abbiegen, um über Öblarn in die Ennstal-Bundesstraße B146 wieder rechts einzubiegen. Der B146 folgen wir dann nach Liezen, quetschen uns flott am Verkehr vorbei in Richtung Admont, wo wir uns fast verfahren. Aber zum Glück sehen wir rechtzeitig die Wegweiser, die in Richtung "Gesäuse" und "Hieflau" ausgeschildert sind. Bei Hieflau biegen wir links ab auf die B115 und fahren bis Mooslandl, wo wir rechts in die Erlauftal-Bundesstraße B25 abbiegen. Die B25 geht's entlang bis kurz nach Palfau, rechts in die B24 Hochschwab-Bundesstraße Richtung Wildalpen. Dieser Straße folgen wir bis Gusswerk, links in die B20 bis Mariazell - hier gibts einmal Mittagspause - schließlich haben wir ja Hunger auch! Der letzte Abschnitt führt uns dann von Mariazell über die Umfahrung zur B21, über das Gschaid und St. Aegyd sowie über den Ochssattel bis in die Kalte Kuchl, wo einfach noch ein Kaffee und ein Topfenstrudel fällig ist. Die letzten Kilometer würden wir nun doch noch bis nach Hause schaffen - über Hainfeld und Altenmarkt auf die A21 bei Alland und die letzten Kilometer in der Abendsonne bis Wien.

Fazit: Schön war's! Wenn - so wie bei uns - das Wetter stimmt, dann können es nicht genug Kurven sein!
Hoffe, wir sehen uns einmal bei einer so netten Kurztour!
Cortina - Innerkrems (Kärnten)
Klick bringt Roadbook!
Tre Croci Pass
Cima Sappada
Cimasappada
Passo Cason di Lanza
Passo Cason di Lanza
Innerkrems (Kärnten) - Wien
Klick ergibt Roadbook!
Nockalmstraße
Sölkpaß
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